Datum: 29.05.2015
Status: Abgeschlossen
Sitzungsort: Gemeindewald Zellingen
Gremium: Gemeinderat Himmelstadt
Körperschaft: Gemeinde Himmelstadt


Öffentliche Sitzung, 16:00 Uhr bis 18:30 Uhr

TOP-Nr. Bezeichnung
1 Waldbegang in den Abteilungen Pillenberg und Schwarzsohl

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1. Waldbegang in den Abteilungen Pillenberg und Schwarzsohl

Gremium Sitzung Sitzungsdatum ö / nö Beratungstyp TOP-Nr.
Gemeinderat Himmelstadt (Gemeinde Himmelstadt) 6. (Waldbegang) Sitzung des Gemeinderates Himmelstadt 29.05.2015 ö 1

Sachverhalt

Der 1. Bürgermeister begrüßt Herrn Trabold und Herrn Kirchner. Er erteilt FOR Werner Trabold das Wort.

Herr Trabold informiert die Anwesenden über Lage und Größe des Gemeindewaldes. Folgende Waldabteilungen wurden begangen:

Kleingründlein
Schwarzsohl
Pillenberg

a) Waldabteilung Kleingründlein
Herr Kirchner informiert die anwesenden Gemeinderäte über das orientalische Zackenschötchen (ursprüngliche Heimat Kaukasus) das sich als sogenannter Neophyt in der einheimischen Flora stark verbreitetet hat. Die Pflanze ist kaum bekämpfbar. Sie findet sich auch in den Himmelstadter Fluren.

FOR Trabold erklärt die verschiedenen Forstabschnitte anhand einer Karte. Die Abteilung Kleingründlein ist im Plan blau gekennzeichnet. Dies entspricht einer Jungdurchforstung (Stangenholz) mit einem Alter von ca. 35 Jahren.
Die Größe der Abteilung umfasst ca. 4,5 ha. Pro Hektar Fläche befinden sich ca. 100 Bäume.
Im Jahr 2015 wurden bisher rund 150 fm entnommen.
In der Abteilung Kleingründlein ist ein Mischbestand mit Buche (70%), Bergahorn (15%), Esche (10%) und Kirche (5%)sowie vereinzelt Ulme, Hainbuche und Eiche vorzufinden.

Zwei Hiebmaßnahmen wurden im Bereich durchgeführt. Dies betraf zum Einen den Hieb im Jahr 2012, wobei die Rückegassen angelegt wurden und zum Zweiten den Hieb aus dem aktuellen Jahr, bei dem die Rückegassen durchforstet wurden.
Insbesondere liegt das Interesse auf der Pflege der Edellaubhölzer im Bereich, da diese innerhalb von 25 bis 50 Jahren den größten Zuwachs verzeichnen. Nach 50 Jahren Lebensalter der Edellaubhölzer ist kaum noch Zuwachs möglich.
Entscheidend für die Qualität des Holzes ist die astfreie Schaftlänge. Das Hauptziel der Bewirtschaftung und Pflege dieser Bäume ist das Erreichen der Furnierqualität, da dadurch sehr hohe Preise (300 € - mehrere 10.000 € je fm) erzielt werden können. Zum Vergleich pro Festmeter Brennholz können lediglich Preise um 50 € erreicht werden.
Gute Furnierqualität kann man ab einer Länge von 2,20 m und mehr realisieren.
FOR Trabold erläutert die verschiedenen Pflegemaßnahmen.
Insbesondere in der Jungdurchforstung Kleingründlein wird Wert auf eine positive Auszeichnung der Bäume gelegt. Dies bedeutet, die zu pflegenden Bäume werden mit einem farblichen Ring versehen und im Umkreis von 8 bis 12 Metern von Konkurrenzbäumen befreit.

In der Jungdurchforstung werden die genannten Pflegemaßnahmen maschinell mit Hilfe eines Vollernters durchgeführt. Als Partner steht hierfür die Fa. Reith zur Verfügung. Vorteil dieser Bewirtschaftung ist, dass die zu entfernenden Bäume sehr gezielt herausgenommen werden können, ohne Nachbarbäume zu beschädigen. Dass Holz kann im Nachhinein noch in Sortimente getrennt (Energieholz, Brennholz, Faserholz) aufgearbeitet werden, wodurch höhere Preise erzielt werden können.

Das Gremium erkundigt sich nach der Bodenverdichtung durch die verwendeten Maschinen. FOR Trabold und Herr Kirchner erklären, dass in der Jungdurchforstung der Einsatz von Maschinen möglich ist, da diese leichter sind und auch die zu fällenden Bäume nicht so schwer, wie beispielsweise in der Altdurchforstung. Zudem wird der Boden nicht im gesamten Wald sondern nur in spezifischen Bereichen, den Rückegassen verdichtet. Dies entspricht einem Bodenflächenanteil von ca. 10 %, rund 90 % des Waldbodens bleiben damit unverdichtet. Im gesamten Himmelstadter Forst wird mit dem Rückegassen-System gearbeitet.
Die Maschinen befinden sich im Eigentum des Forstunternehmens Reith. Mit der Firma wird der Holzpreis gegen die Pflegemaßnahmen verhandelt.
Es wird vorgeschlagen eine Betriebsbesichtigung beim Forstunternehmen Reith anzustreben.


b) Waldabteilung Schwarzsohl
Das Gebiet Schwarzsohl ist in der Karte grün dargestellt. Dies bedeutet, dass es sich um einen ganz jungen Bestand handelt, der vor wenigen Jahren (zwischen 2005 und 2009) erst aufgepflanzt wurde.
FOR Trabold erläutert die verschiedenen Pflanzungen. Darunter befinden sich auch exotische Hölzer wie Riesenlebensbaum, chinesischem Rotholz (Urwaldmammutbaum) oder amerikanische Riesenmammutbäume. Der Bereich Schwarzsohl dient im Forst als Experimentierabteilung. Insbesondere die Mammutbäume benötigen erhöhte Pflegemaßnahmen (z.B. niedrighalten des umgebenden Bewuchses, verstärktes ausgrasen) da diese langsamer in die Höhe wachsen, als einheimische Waldbäume. Daneben wurden Douglasien, Weißtannen und Eiben gepflanzt. Fichten und Buchen wachsen als Naturverjüngung selbst.
Von ca. 6000 bis 10.000 Pflanzen die pro Hektar gepflanzt werden, erreichen 80 bis 100 Bäume Erntereife. Dies zeigt die Intensität der Pflegemaßnahmen in der Wachstumsperiode.
Insbesondere lange Trockenheit und Frost gefährden die Bäume. Zudem können Sturmschäden erhöhten Pflegeaufwand nach sich ziehen. Der jüngste Sturm Niklas hat auch den Himmelstadter Forst gestreift. Jedoch fielen nur meist vorgeschädigte (Stockfäule)Einzelbäume. Insgesamt entspricht der Verlust 70 fm.
Die vereinzelt liegenden Bäume müssen jedoch alle aus dem Wald entfernt werden, da die Gefahr des Borkenkäferbefalls droht. Dies bedeutet erhöhten Arbeitsaufwand für die Forstarbeiter.

Das Gremium erkundigt sich nach dem Befallstatus des Waldes durch den Borkenkäfer. Im Himmelstadter Forst gibt es aktuell kein Problem mit diesem Schädling. Auch ein Befall durch verschiedenen Larven (Engerlinge) oder deren Käfer (z.B. Maikäfer) ist nicht zu verzeichnen.


c) Abteilung Pillenberg
Die Abteilung Pillenberg ist im Plan grau dargestellt. Dies bedeutet, dass sich die Bäume in diesem Bereich in der Endnutzung befinden.
FOR Trabold stellt den Gemeinderäten eine größere Hiebfläche vor, aus der 2015 Bäume entnommen wurden. Vor dem Hieb hatte der Bestand einen durchschnittliches Alter von ca. 145 Jahren (zwischen 92 und 192 Jahre). Es wurden insgesamt 1247 fm auf einer Fläche von 12,1 ha entnommen. (Geplant war eine Entnahme von 1209 fm.)
Die bereits auftreibende Naturverjüngung soll anschließend wieder mit Edellaubhölzern ausgepflanzt werden. Die Fläche ist jedoch noch nicht beräumt.
Enttäuschend stellte sich die Brennholzversteigerung im Gebiet dar. Die Nachfrage war äußerst gering, so dass noch sehr viel Holz im Bereich liegen geblieben ist.
Es fehlen Selbstwerber. Zudem schreckte die sehr tonige Erde an einer Steillage, die auch in trockenen Zeiten schmierig und matschig ist und deshalb schwer befahren werden kann, viele Selbstwerber ab.
FOR Trabold schlägt den Gemeinderäten zwei Lösungsmöglichkeiten vor. Zum Einen könnte das verbleibende Holz an Ort und Stelle liegen gelassen werden. Dies würde jedoch die Pflegemaßnahmen und Aufforstungsarbeiten im Bereich erschweren. Zum Zweiten könnte das verbliebene  Holz durch die Forstarbeiter herausgebracht und gehäckselt werden. Mit dem Verkauf des Häckselgutes könnten zumindest die entstehenden Kosten gedeckt werden. FOR Trabold favorisiert die zweite Variante, da dies gewährleisten würde, dass mit den Pflanzarbeiten begonnen werden könnte.
Das Gremium favorisiert ebenfalls die zweite Variante.

Insgesamt wurden im Himmelstadter Wald seit 2007 jährlich weniger eingeschlagen als der Jahreshiebplan vorgesehen hat, so dass man aktuell mit insgesamt 2 vollen Jahreshiebeinschlägen (entspricht jährlich 2350 fm) zurückliegt.
Im laufenden Jahr wurde der Hiebplan bereits mit 2450 fm eingeschlagenem Holz erfüllt.
In 2014 wurden 93.000 € Einnahmen aus dem Einschlag erzielt. Auch 2015 können bereits ca. 90.000 € abgerechnet werden. Hinzu kommen noch ca. 15.000 – 20.000 € zu erwartende Einnahmen aus noch nicht abgerechnetem Holz

Das Gremium erkundigt sich nach der Nachfrage. Insbesondere die Zellstoffindustrie hat aktuell eine sehr hohe Nachfrage nach Holz. Jedoch ist es erklärtes Ziel von FOR Trabold das Holz kontinuierlich und nicht mit großen Spannen zu verkaufen. Damit kann abgesichert werden, dass bei großen Schwankungen reagiert und der Absatz über die nächsten Jahre gesichert werden kann.


d) Aufforstungsbereich Pillenberg
Auch im Pillenberg gibt es einen grünen Bereich (Jungdurchforstung). Hier befinden sich noch durch Hülsen geschützt Speierling und Elsbeere, die vor ca. 2 Jahren gepflanzt wurden. Ergänzt werden die Pflanzungen durch Buche-Naturverjüngungen.
Das Gremium erkundigt sich nach Wildverbiss. Dieser besteht, wie an den Naturverjüngungen sichtbar wird. Da jedoch die gepflanzten Bäume noch mit Hülsen geschützt sind, gibt es hier keinen Ausfall durch Wildverbiss.

Das Gremium erkundigt sich, von wem bestimmt wird, welche Bäume gepflanzt werden. Herr Kirchner erläutert hierzu, dass diesbezüglich mit dem Waldbesitzer (Gemeinde), dem zuständigen Förster und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) eine langjährige Planung mit einer Laufzeit von 20 Jahren erstellt wurde. Die Planung kann bei aktuellem Bedarf den Gegebenheiten angepasst werden.
Eine Förderung durch den Freistaat ist jeweils gebunden an Baumarten und wird von Maßnahme zu Maßnahme neu geprüft. Es besteht lediglich für Einzelmaßnahmen die Möglichkeit Förderanträge zu stellen.

Nach dem keine weiteren Wortmeldungen mehr vorlagen, dankte 1. Bürgermeister Gundram Gehrsitz FOR Trabold und Hr. Kirchner für den informativen Waldbegang und schloss die Sitzung um 18.30 Uhr.

Abstimmungsergebnis:                o. A.

Datenstand vom 24.08.2015 17:28 Uhr